100 Jahre TSV Michelfeld

Eine Chronik stützt sich in ihren Darstellungen im allgemeinen auf schriftliche Überlieferungen und auf mündliche Berichte von Zeitzeugen. Nun ist es recht wenig, was die Vereinsgründer über den Beginn des TSV Michelfeld an schriftlichen Nachrichten hinterlassen haben. Da gibt es ein erstes Protokollbuch, das mit einem kurzen Bericht über die Generalversammlung des Vereins im Januar des Jahres 1902 beginnt und in dem dann alljährlich in nüchternen Angaben über Kassen- und Mitgliederstand sowie über die Ergebnisse der Vorstandswahlen berichtet wird. Diesem ersten Protokollbuch ist ein loses Blatt beigefügt, das mit "Vorwort" betitelt um 1900 vermutlich vom ersten Schriftwart des Vereins als Gedächtnisprotokoll verfasst wurde. Der erste Satz dieses Vorwortes lautet: "Der Turnverein Michelfeld wurde gegründet am 5. Juli 1895 zu Michelfeld im Vereinslokal Gasthaus "ZUM SCHWANEN". Zum Vorstand wurde damals gewählt Wilhelm Landes, als zweiter Vorstand und Turnwart wurde Jakob Brecht gewählt."

Da in den Gründungsunterlagen weder ein Vereinszweck noch eine Satzung enthalten ist, sei aus der Deutschen Turnzeitung des Jahres 1895 zitiert, wo die deutschen Turnführer gleichsam gefordert haben, dass alle Turnvereine folgenden Grundsatz in ihre Vereinssatzungen mit aufnehmen: "Zweck derselben (Deutschen Turnvereine) ist die Förderung des deutschen Turnens als ein Mittel zur körperlichen und sittlichen Kräftigung sowie die Pflege des deutschen Volksbewusstseins und vaterländlichen Gesinnung; alle politischen Parteibestrebungen sind ausgeschlossen."

Ein Vierteljahrhundert zuvor 1871 war das von den deutschen Turnern so sehnlichst erwünschte und zum Teil von ihnen erkämpfte Deutsche Reich endlich durch Bismarcks Politik Wirklichkeit geworden. Die deutsche Industrie befand sich 1895 in der zweiten Phase der Hochkonjunktur und hatte eben im gleichen Jahr mit ihrer Produktion die von Großbritannien, der bis dahin führenden Industriemacht der Welt, überholt. Für viele Deutsche gab es also Anlass, auf ihr Volk und Vaterland stolz zu sein. Die Demokratie lag noch in weiter Ferne.

Schon Anfang der sechziger Jahre waren in den großen Städten wie Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg Turnvereine gegründet worden, aber auch kleinere Städte wie Sinsheim, Eppingen und Wiesloch wurden von dieser Bewegung erfasst, bis dann in den neunziger Jahren der Funke auch auf den ländlichen Raum übersprang. Michelfeld war einer der ersten kleineren Orte, in denen ein Turnverein gegründet wurde, ein Jahr später folgte Eichtersheim diesem Beispiel.

1895 war Michelfeld ein rund 1400 Einwohner beherbergender Ort im Bezirk Wiesloch. Bürgermeister war zu dieser Zeit Philipp Kattermann; der größte Teil der Bewohner war in der Landwirtschaft tätig, es gab einige Handwerksbetriebe und zwei Zigarrenfabriken mit je 85 Arbeitern. Damals mussten die Bauern ihre Produkte mit Pferdefuhrwerken in die Städte Mannheim und Heidelberg transportieren und dort vermarkten, die Eisenbahn Wiesloch - Waldangelloch gab es noch nicht. Nun war es leichter, einen Verein zu gründen, viel schwieriger jedoch ihn mit Leben zu erfüllen. Da brauchte man zuerst einen Sportplatz, da waren Turngeräte vonnöten, vor allem bedurfte es fähiger Übungsleiter, Turnwarte genannt, die den Turnbetrieb organisierten, außerdem mussten Mitglieder geworben werden. Ein erster Turnplatz wurde von der Gemeinde am südlichen Ortsausgang in Richtung Waldangelloch beim ehemaligen Dreschplatz dem Verein zur Verfügung gestellt. Das erste Reck (Preis: 128,-Mark) stifteten Rudolf Landes und Ernst Koechler, zwei leitende Angestellte einer der ortsansässigen Zigarrenfabriken und vermutliche Gründungsmitglieder des TV Michelfeld. Weitere Geräte wie Barren und Pferd sowie Turnmatten mussten mit Mitgliedsbeiträgen finanziert werden; bei monatlichen Beiträgen von 20 Pfennigen sicher keine leichte Aufgabe. Der erste von den Mitgliedern gewählte Turnwart war, wie oben schon erwähnt, Jakob Brecht, ihm folgten 1899 Heinrich Albrecht und Friedrich Mahl. Turnwarte wurden auf Fortbildungskursen des Turngaus Kraichgaus geschult und methodisch unterwiesen.
Die Turnerei in Michelfeld musste anziehend gewirkt haben, denn 7 Jahre nach der Gründung zählte der Verein schon 54 Mitglieder. Das Turnen sollte einen Ausgleich zur anstrengenden Arbeit im Alltag schaffen und zur Erhaltung der Gesundheit und zur Entspannung beitragen. Um sich den damaligen Alltag besser vorstellen zu können. sei die Fabrikordnung einer Michelfelder Zigarrenfabrik aus dem Jahr 1897 angeführt. Dieser Fabrikordnung entnehmen wir, dass zum Beispiel ein 16jähriger Fabrikarbeiter eine tägliche Arbeitszeit von 10 Stunden und eine wöchentliche von 58 Stunden, selbstverständlich auch an Samstagen, leisten musste. Bauernsöhne, Gesellen und Lehrbuben der Handwerksbetriebe arbeiteten sicher nicht viel weniger. Wann, so muss man fragen, hatten damals die jungen Männer nach solchen Belastungen die Zeit und Lust aufgebracht, ihrem neuen Hobby, dem Turnen, nachzugehen? Und wenn man aus dieser Fabrikordnung erfährt, dass der Wochenlohn eines 16jährigen Arbeiters 2,- Mark betrug, dann waren monatliche Mitgliedbeiträge von 20 Pfennigen schon ein Opfer. Zu jener Zeit wurde den Turnern viel Begeisterung und Idealismus abverlangt. Die Turnstunden verliefen im Sinne des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn; sie begannen mit Ordnungsübungen, dann folgten Freiübungen und danach in Riegen aufgeteilt, das Üben an den verschiedenen Geräten, der Verlauf war streng reglementiert, der Turnwart gab die Kommandos. Es gab eine Vielzahl von Pflichtübungen, die bei Turnfesten vorgeturnt werden mussten. Den Abschluss der Turnstunden bildeten Staffelläufe und Spiele, eine gemütliche Stunde im Vereinslokal bei Bier oder Wein war aus finanziellen Gründen nicht möglich.

Natürlich wird es im TV Michelfeld nach einer gewissen Zeit Turner gegeben haben, die aufgrund ihrer körperlichen Voraussetzungen exzellent geturnt und den Verein bei Turnfesten vertreten haben. Andererseits gab es sicher auch Mitglieder, die sich zwar für die Idee des Turnens begeisterten, aber trotz großer Anstrengungen die geforderten Übungen an Reck und Barren nicht meistern konnten und versagten. So mancher wird sich gefragt haben, ob es denn noch einen Sinn habe, sich weiterhin zu schinden und zu plagen, oder ob es nicht besser sei, das Turnen aufzugeben. Gerade in solchen Momenten zeigte sich der Gemeinschaftsgeist und der kameradschaftliche Zusammenhalt, der die Turner auszeichnete. Turnwart und Vorturner munterten die mutlos gewordenen wieder auf, gaben Hilfestellung und ermutigten die Schwachen zu erneuter Anstrengung und Überwindung der Trägheit. Wären nur die Besten, die Könner, geblieben, wäre der Verein wahrscheinlich verkümmert und zu einer kleinen Elitegruppe geworden. So zeigten aber die ständig wachsenden Mitgliederzahlen - 1912 waren es schon 98 - dass die Bereitschaft, Strapazen, die nun einmal mit dem Turnen verbunden sind, auf sich zu nehmen, größer waren, als die Resignation.
In den jährlichen Generalversammlungen wurde zunächst der Kassenbestand offengelegt - 1902 beispielsweise belief sich der Ist-Bestand auf 1 Pfennig - dann wurden der erste und zweite Vorstand, der Aufsichtsrat, die Ausschussmitglieder, der Schrift-, Geld- und Zeugwart, sowie die zwei Turnwarte gewählt. Die Wahl wurde durch Unterschrift der Gewählten im Protokollbuch beglaubigt.

Im Sommer 1905 fand das erste Waldfest des TV statt, wobei ein Reingewinn von 43,10 Mark erzielt wurde. Schon von Beginn an war die Weihnachtsfeier im Vereinslokal das wichtigste gesellschaftliche Ereignis des Jahres. Von Turnvorführungen, Theateraufführungen. einer Gabenverlosung und Tanz umrahmt, war diese Vereinsfeier eine Gelegenheit, bei der sich die Frauen der Turner sowie Freunde und Gäste in froher Runde versammelten. Ein ordentlicher Verein bedurfte einer Vereinsfahne. 1902 stifteten 10 Mitglieder ihrem Verein eine solche; sie wurde in einem Fahnenschrank im Vereinslokal aufbewahrt, bei Festen und Umzügen durfte sie nicht fehlen, sie wurde aber auch beim Tode eines Vereinskameraden dem Sarg auf dem Weg zum Grab vorangetragen. Da im Jahre 1957 eine Fahnenweihe stattfand, darf man annehmen, dass die erste Fahne von 1902 in den Wirren des zweiten Weltkrieges abhanden gekommen ist.

Diese sehr positive Entwicklung des TV 95 fand ein jähes Ende, als im Jahre 1914 der erste Weltkrieg ausbrach. Seit 1903 waren jährlich 4 - 8 Turner zum Militärdienst einberufen gewesen, nun wurden sie und die Freiwilligen in die Garnisonen beordert und von da an die Frontabschnitte transportiert. "Ausflug nach Paris" stand auf einem der Truppentransporter geschrieben, das heißt man war der festen Überzeugung, der Krieg sei in wenigen Wochen siegreich beendet. Es sollte anders kommen. Von Anfang an waren über 60 % der Mitglieder an der Front und im Verlauf des Krieges wurden weitere eingezogen, ein ordnungsgemäßer Turnbetrieb fand während des Krieges nicht mehr statt. Manche von denen. die an die Front gerufen wurden, haben ihre Heimat nicht mehr wieder gesehen. Nach der militärischen Niederlage Deutschlands im November 1918 traten der Kaiser und die deutschen Fürsten zurück, Deutschland wurde eine Republik. Der Versailler Vertrag stürzte unser Land in eine schwere politische und wirtschaftliche Krise. Die Geldentwertung steigerte sich von Jahr zu Jahr, wovon die Lohnempfänger und besonders die Arbeitslosen und Rentner sehr hart betroffen waren. Not und Elend bestimmte das Leben nach dem Kriege. Wer sollte in solchen Zeiten noch Interesse am Vereinsleben haben? Und dennoch. im Dezember 1919 wurde im Vereinslokal "ZUM SCHWANEN" eine außerordentliche Generalversammlung abgehalten; die Mitgliederzahl war von 98 im Jahr 1911 auf 54 gesunken. Im Protokollbuch ist von dieser Versammlung folgendes festgehalten: "Nun endlich ist es zwei seiner alten Mitgliedern dem Karl Wolfhard und Friedrich Stadelbauer gelungen, den Verein nach langem Brachliegen wieder ins Leben zu rufen. Es war der Mitglieder allgemeiner Wunsch, die Tätigkeit des Vereins wieder aufzunehmen. damit er wieder nach alter Art neu erstehen möge. Auch wurde beschlossen, dass jedes Mitglied einen einmaligen Beitrag in die Vereinskasse zahlt, damit es dem Verein möglich ist, seine ersten Ausgaben im neuen Jahr decken zu können. Auch wurde das ganze Vorstandkomitee neu gewählt."

Am 20. Januar 1921 kam es zur Vereinigung des TV 95 Michelfeld mit dem Sportclub Michelfeld. Wann dieser Sportclub gegründet wurde. lässt sich nicht mehr feststellen. Auch welche Sportart betrieben wurde. ist nicht bekannt. Da aber im Vereinsprotokoll von gewählten Spielführern die Rede ist, die als gleichberechtigte Mitglieder in den Turnrat aufgenommen wurden, kann davon ausgegangen werden. dass es sich um einen Fußball oder Handballclub gehandelt hat. Weiter heißt es, dass der Sportclub Michelfeld unter dem Namen Sportabteilung in den Turnverein einverleibt wird. Es sei hier kurz erwähnt, dass Sport noch im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts als am Wettkampf und an Höchstleistungen orientierte körperliche Betätigung betrachtet. im Gegensatz zum Turnen stand, das von Beginn an neben der leibeserzieherischen Ausbildung auf die Gesamtbildung des Menschen abzielt. Der Sport wurde sogar anfänglich. da er aus England nach Deutschland kam, als undeutsch abgelehnt. Da aber immer mehr Jugendliche sich von dem strengen reglementierten Turnen abwandten und zur Sportbewegung überwechselten, war eine solche Vereinigung, wie sie 1921 in Michelfeld vollzogen wurde, eine kluge und richtungsweisende Entscheidung. In der Generalversammlung wenige Tage nach dem Zusammenschluss zählte der Verein laut Protokoll 109 Mitglieder, das heißt die Angliederung der Sportabteilung bedeutete einen beachtlichen Mitgliederzuwachs.

Im Mai 1921 feierte der TV sein 25-jähriges Stiftungsfest, das mit einem Volkswetturnen des Elsenz -Turngaues verbunden war. Der Schriftwart berichtet von diesem Fest: " Nach der feierlichen Urkundenüberreichung an verdiente Mitglieder sammelte sich der Verein, um mit Musik die Wett-Turner, die pflichtgemäß eine gemeinsame Turnfahrt von Sinsheim nach Michelfeld zu machen hatten, abzuholen. Nach Eintreffen der Wett-Turner wurde sofort in das Einzelturnen übergegangen, woran sich 195 Turner beteiligten. Nach Beendigung des Wett-Turnens bewegte sich am Nachmittag der Festzug durch die Straßen des Ortes zum Festplatz im Mühlwald. Abends 6.00 Uhr fand die Preisverteilung statt, und um 8.00 Uhr begann im Vereinslok~1 der Vereinsball. Im Gasthaus "ZUM ROSSEL" fand ein Ball für den Gesangverein und Militärverein statt und im Gasthaus "ZUM ADLER" war Tanzmusik für die Allgemeinheit."

In der Generalversammlung im Januar 1924 wurde Heinrich Bader, seit November 1904 erster Vorstand, für seine Verdienste um das Wohl des TV 95 zum Ehrenvorstand ernannt, sein Nachfolger wurde Friedrich Frey, Im Februar 1924 beschloss der Turnrat wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorstand des Elsenz-Turngaus aus diesem auszutreten und sich dem Angelbach-Turngau anzuschließen. Im Juli des gleichen Jahres war der TV Michelfeld mit der Organisation des Turnfestes des Angelbach-Turngaus betraut worden. Allerdings hatte dieser Turngau keinen allzu langen Bestand; 1928 wurde er aufgelöst, und der TV Michelfeld wurde aufgefordert, dem Neckar-Elsenzgau beizutreten. In den 20iger Jahren herrschte beim TV trotz wirtschaftlicher Not ein reger Turnbetrieb. Wöchentlich wurde am Dienstag und am Freitag von 20.00 t22.00 Uhr die Turnstunde abgehalten, im Sommer auf dem Turnplatz beim Mühlwald, bei schlechtem Wetter und im Winter im Schwanensaal. In diesen Jahren wurde, so berichtete Reinhard Walter, ein seit 1923 aktiver Turner, auch oft nach den Turnübungen noch Handball gespielt. Mit einem gemeinsamen Lied schloss die Turnstunde, für einen abschließenden Umtrunk reicht das Geld nicht. Im Februar 1930 veranstaltete der TV seinen ersten Kappenabend im Saal des Gasthauses "ZUM ROSSEL" (heute Schlecker Drogeriemarkt).Mit dem dabei erwirtschafteten Reingewinn wurden ein neues Pferd und 1935 aus dem Erlös der gleichen Veranstaltung ein neuer Barren und zwei Turnmatten bei der Fa. Pfeifer in Frankenthai gekauft, die Turngeräte der ersten Jahre dürften in einem sehr schlechten Zustand gewesen sein.

Jährlich am Palmsonntag wurde an wechselnden Orten des Turnkreises die Freiluftsaison des Volksturnens mit einem Waldlauf eröffnet. Es war selbstverständlich, dass auch der TV Michelfeld seine besten Läufer entsandte, das gleiche galt ebenso für die jährlich stattfindenden Gauturnfeste. Das größte Erlebnis für 6 Turner des Vereins war die Teilnahme am Deutschen Turnfest in 5tuttgart im Juli 1930. Wenn auch den Vertretern des TV der ganz große Erfolg versagt blieb, so war der Gedanke des Dabeiseins und Sichmessens mit Gleichgesinnten der Antrieb zur Teilnahme an diesen Turnfesten.

Eine regionale Besonderheit war der im Sommer 1930 von den Vorständen der Turnvereine von Dühren, Eschelbach, Eichtersheim und Michelfeld ins Leben gerufene Herrmannslauf. Turner der vier Vereine, deren Gemeindegemarkung an das Herrmannswäldchen grenzten, bestritten einen 10 mal 1000 Meterlauf um einen Wanderpokal, daneben fanden noch 3000 - und 1000 Meter-Läufe statt. Jedes Jahr war ein anderer Verein mit der Durchführung beauftragt.

Im Mai 1933 führte der TV Michelfeld seine erste Götzwanderung in der Vereinsgeschichte durch. Auf Anregung von Dr. Ferdinand Götz aus Leipzig, von 1895 - 1915 Vorsitzender der Deutschen Turnerschaft, war der Himmelfahrtstag als allgemeiner Wandertag der Turnvereine festgelegt worden. Ein Pferdefuhrwerk, so heißt es im Protokoll, mit Wurst, Brot, Bier und sonstigen Getränken beladen, begleitete den sicher sehr stattlichen Zug der Turner mit ihren Familien zum „Siegfriedsbrunnen“. Leider wurde die frohe Wanderschar von einem schweren Gewitter überrascht, so dass diese erste Götzwanderung den Teilnehmern noch lange in Erinnerung blieb. In den folgenden Jahren traf man sich mit Turnvereinen der Nachbarorte an geeigneten Plätzen zu fröhlichem Beisammensein. Diesem schönen Brauch setzten die Nationalsozialisten ein baldiges Ende. Nach der Machtergreifung durch Hitler 1933 wollte die NS-Führung sich der gesamten Turn und Sportbewegung als Mittel der fortschreitenden Militarisierung bedienen. Aber zur Vorbereitung und Durchführung der 1931 von dem IOC an Deutschland vergebenen Olympischen Spiele 1936 war man auf die führenden Persönlichkeiten aber auch auf die Spitzenkräfte der Turn- und Sportbewegung angewiesen, deshalb blieben die Vereine zunächst fast unberührt von staatlichen Eingriffen. Am Ende 1936 durften dann die Vereine keine Jugendlichen mehr betreuen, dies übernahm von nun an die Hitlerjugend. Auch wurden die Vereinsübungsleiter bei den der NSDAP angeschlossenen Organisationen für ihre Tätigkeit finanziell abgefunden, was den Vereinen nicht möglich war. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im März 1935, das heißt einer zweijährigen Militärdienstzeit, und der Arbeitsdienstpflicht (RAD) im Juli 1935 bedeuteten, dass viele Turner und Sportler in die Kasernen und Lager befohlen wurden. Mit dem Beginn des Krieges 1939 wurden die meisten aktiven Sportler, Übungsleiter und Funktionäre zur Wehrmacht eingezogen oder meldeten sich freiwillig.
Das Vereinsleben kam in diesen Jahren völlig zum Erliegen.


Zum Geleit

Nur dem Turnen und dem Sport
sei gedient in einem fort.
Vorüber ist die schwere Zeit,
die erfüllt mit Schmerz und Leid,
mit Trümmern und mit Mauerresten,
und mit den Gräbern unserer Besten.
Doch sollen wir jetzt vorwärts sehen,
es muss jetzt wieder aufwärts gehen.
Sind wir leider nur die Erben,
dieses Ungeist´s und der Scherben,
die man an Erfüllung statt,
uns jetzt hinterlassen hat.
Drum heißt's jetzt auf Gott vertrauen,
und von vorne aufgebaut.
Unser Wahlspruch wieder sei,
wie er war "frisch - fromm - fröhlich -frei".

Mit diesen Versen beginnt der Schriftführer die Eintragungen der Nachkriegszeit. Michelfeld hatte den Krieg ohne größeren Schaden und Zerstörungen überstanden, aber viele Väter und Söhne waren gefallen, vermisst oder noch lange Jahre in Kriegsgefangenschaft. Flüchtlinge und Heimatvertriebene fanden in Michelfeld ein neues Heim und wurden nach und nach in die Bevölkerung integriert. Im November 1945 trafen sich die Mitglieder im Vereinslokal "ZUM SCHWANEN", um nach der Zwangspause den Verein wieder erstehen zu lassen. Man wollte der Jugend wieder den Weg zu einer freien sportlichen Betätigung bahnen.

Waren in der ersten Hälfte der Vereinsgeschichte das Turnen im Mittelpunkt des Geschehens gestanden, so dominierte nun nach 1945 eindeutig der Fußball den Sportbetrieb. In der Turnratsitzung vom 15.03.1946 wurde der Beschluss gefasst, dass der TV 95 in Zukunft den Namen TSV 95 Michelfeld erhalten sollte.
Im April 1946 meldete der TSV zwei Fußballmannschaften zur Teilnahme an den Rundenspielen der Kreisklasse 11 an, und 8 Monate später wurde eine Jugend und eine Schülermannschaft gemeldet. Zwar wurde im Januar 1947 laut Protokoll eine Abteilung für Geräteturnen und Leichtathletik ins Leben gerufen, aber wegen der beengten Räumlichkeiten blieb der Turnbetrieb zunächst einmal auf gelegentliche Aktivitäten beschränkt. Eine Mannschaft des TSV nahm noch im Juli 1948 an dem vom TSV Eichtersheim veranstalteten Hecker-Gedächtnislauf im Schlossgarten von Eichtersheim teil, sie errang sogar den ersten Platz, aber in der darauffolgenden Turnratsitzung wurde mit Bedauern festgestellt: "Leider unterstützt der TSV nicht seine jungen Leichtathleten, so dass ihm seine guten jungen Kräfte mit der Zeit verloren gehen". Tatsächlich ist in der Folgezeit von einer Leichtathletikabteilung nie mehr die Rede. Dagegen wurde der schon 1937 begonnene, aber durch die Kriegswirren verhinderte Ausbau und die Erweiterung des Sportplatzes im Mühlwald mit großer Energie vorangetrieben, schließlich musste für die Verbandsspiele der Fußballmannschaften ein vorschriftsmäßiger Platz zur Verfügung stehen. Schon im September 1947 konnte der neue Platz mit einem Turnier, an dem zahlreiche Vereine des Kreises teilnahmen, eingeweiht werden. Im folgenden Jahr stellte der TSV den Nachbargemeinden aus Eichtersheim und Waldangelloch seinen Platz für die Rundenspiele zur Verfügung, da deren Plätze 1948 ebenfalls erneuert und erweitert werden mussten.

Nach der Währungsreform Juli 1948 und der Gründung der Bundesrepublik im Mai 1949 nahm die westdeutsche Wirtschaft in den 5O-iger Jahren einen Aufschwung, den niemand hätte erwarten können. Auch beim TSV machte sich der zunehmende Wohlstand bemerkbar, denn nun werden Vereinsausflüge, 1- und 2tägige Busfahrten in den Odenwald, Schwarzwald und an den Bodensee, selbst nach München zum Oktoberfest und die Faschingsbälle und Jahresabschlussfeiern immer anspruchsvoller.

Als im April 1955 Karl Bender einstimmig zum neuen Vorsitzenden des TSV gewählt wurde, begann eine Zeit wichtiger Entscheidungen und großer Veränderungen. Bereits 1948 war die Notwendigkeit einer Turnhalle in Michelfeld erörtert worden. eine Entscheidung fiel jedoch nicht. Ferner hatten die aktiven Spieler häufig den Wunsch nach einem Clubhaus beim Sportplatz geäußert. denn immer noch mussten die Gastmannschaften sich im "SCHWANEN" umkleiden und im Sportdress zum Mühlwald laufen. Verschwitzt und verdreckt kehrten sie nach dem Spiel "ZUM SCHWANEN" zurück. Es gab ja keine Wasserstelle in der Nähe des Platzes. Dank der Initiative des Vorstandes und einer gewaltigen Anstrengung vieler Mitglieder konnte im Juli 1955 das Richtfest und zwei Jahre später die Einweihung des neuen Clubhauses mit einem vielseitigen Sport- und Unterhaltungsprogramm gefeiert werden. Es fehlten nur noch die Toiletten und die Waschräume mit dem nötigen Wasser. Beides konnte bis Mai 1958 installiert und eine Wasserleitung vom Dorf heraufverlegt werden; zuvor war eine Tiefbohrung beim Mühlwald ohne Erfolg abgebrochen worden.

Nachdem der TSV 1956 sich gemäß §25 BGB eine Vereinssatzung gegeben hatte, wurde er am 01.01.1957 in das Vereinsregister beim Amtsgericht Sinsheim eingetragen.

Die weitaus schwierigere Aufgabe war die Erstellung einer Turnhalle. Ursprünglich sollte die Halle ein Gemeinschaftswerk aller ortsansässiger Vereine werden, da diese Idee aber nicht realisiert werden konnte, übernahm der TSV den Bau der Turnhalle beim Sportplatz in eigener Regie. Die Gemeinde, vertreten durch Bürgermeister Jenne, und die Vorsitzenden des Sportkreises und des Badischen Turnerbundes, versprachen Zuschüsse, gleichzeitig wurde ein Spendenaufruf an die Bürger von Michelfeld gerichtet. Am 04. August 1959 wurde neben dem Clubhaus und dem Sportplatz mit den Erdarbeiten begonnen, am 05. Januar 1960 fand das Richtfest statt. Am 18. / 19. Juni 1960 konnte die Einweihung der neuen vereinseigenen Turnhalle unter Mitwirkung des MGV "Sängerbund", des Posaunenchors, des Fanfarenzugs Waibstadt und der Turnvereine aus Wiesental und Dielheim unter großer Anteilnahme der Bevölkerung begangen werden. Die Planung und Bauleitung der 25 x 12 Meter großen Halle hatte in uneigennütziger Weise Architekt Martin Appel übernommen. Mitglieder und Freunde des Vereins leisteten über 11.000 freiwillige Arbeitsstunden; ohne die vorbildliche und einzigartige Einsatzbereitschaft hätte das Bauwerk weder errichtet noch finanziert werden können. Weitere Mitglieder, Einwohner und einheimische Firmen gaben Geld- und Materialspenden in Höhe von DM 4.000,- von staatlicher Seite wurde der Bau mit Zuwendungen von DM 48.000,- unterstützt.
Dem Mut, der Entschlusskraft und der Beharrlichkeit der Vereinsführung, insbesondere des tatenfrohen Vorstandes Karl Bender, ist es zu verdanken, dass die Idee einer vereinseigenen Turnhalle in so kurzer Zeit verwirklicht werden konnte. Die neue Halle sollte, so der Vorstand bei der Einweihung, auch den anderen Vereinen und dem Schulsport zur Verfügung stehen. Noch vor der Vollendung des Innenausbaues der Halle wurde am 13. Januar 1960 mit der zweiten Erweiterung des Sportplatzes begonnen. Nach langen Verhandlungen mit Pioniereinheiten der US-Armee in Mannheim und Karlsruhe gelang es dem Verhandlungsführer Willi Schleweis, die 555-Pioniereinheit in Karlsruhe zur kostenlosen Ausführung der notwendigen Erdarbeiten zu bewegen. Für die Amerikaner war dies eine Demonstration einerseits der Leistungsstärke ihrer gewaltigen, damals bei uns noch wenig bekannten Maschinen, andererseits auch ihrer Freundschaft zur einheimischen Bevölkerung. Innerhalb von 4 Wochen haben die US-Soldaten mit ihren schweren Baggern und Planierraupen 15.000 m Erdreich bewegt und die Platzerweiterung beendet. Dieses großzügige Entgegenkommen seitens der amerikanischen Kommandeure und die großartige Leistung der Pioniere wurde von der Gemeindeverwaltung mit einem großen deutsch-amerikanischen Freundschaftsfest gebührend gefeiert. Im Juli 1962 war dann der Ausbau des neuen erweiterten 7.000 m- großen Rasenplatzes abgeschlossen. In der Woche vom 28.07. -06.08. wurde der in herrlicher Umgebung gelegene Sportplatz mit einem Festbankett und einem einwöchigen Sport- und Unterhaltungsprogramm, in dessen Mittelpunkt ein Fußballspiel einer Kreisauswahl gegen die Starmannschaft des Karlsruher SC stand, feierlich eingeweiht.

Nach der Fertigstellung der Turnhalle wurden turnerische und sportliche Aktivitäten jetzt witterungsunabhängig möglich. Für Karl Bender, 1. Vorstand von 1955 - 1968, war es ein besonderes Anliegen, dass neben dem Fußball das Turnen und die Leichtathletik im TSV wieder in Gang kamen. Zwar wurde 1956 eine Tischtennisabteilung für Männer und Frauen gegründet, - das Training fand im Saal einer Zigarrenfabrik in der Wilhelmstraße auf drei Platten statt - aber zur Teilnahme einer TT-Mannschaft an der Verbandsrunde kam es nicht. Diese Abteilung löste sich nach kurzer Zeit wieder auf. Aber Anfang der 60iger Jahre wurde das Turnen in mehreren Gruppen aufgenommen; zunächst mit einer Kindergruppe, dann mit einer Frauengymnastikgruppe und schließlich mit zwei Mädchengruppen. Diese Turngruppen haben sich kontinuierlich erweitert und sind bis heute aktiv geblieben. Dagegen musste das Knabenturnen mangels Interesse - der Fußball hatte größere Anziehungskraft - nach einiger Zeit wieder eingestellt werden. ebenso erging es der Männerriege.

Im April 1971 gründeten Norbert Rühl (1. Trainer) und Dieter Sitzler (1. Abteilungsleiter) innerhalb des TSV Michelfeld eine Judo-Abteilung. Judo ist eine aus Japan stammende Zweikampffund Selbstverteidigungssportart, die bereits zu Beginn dieses Jahrhunderts in Deutschland Eingang fand. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg zog diese Sportart immer mehr Anhänger an. Höchste Körperbeherrschung, äußerste Konzentration, genaue Beobachtung des Gegners und blitzschnelle Reaktion sind die Ziele dieses Sports. Mit 9 Aktiven begann man das Training auf einer von den US-Streitkräften ausgemusterten Ringermatte in der TSV Sporthalle. Ein Jahr nach der Gründung hatte die Abteilung 35 aktive Mitglieder, 1976 waren es schon über 100. Als erstes wurde eine Schüler / Jugendgruppe gebildet, im Februar 1978 kam eine Seniorengruppe hinzu. Die Mittel für eine vorschriftsmäßige Judo-Matte erarbeiteten sich die Judokas durch den Abbruch zweier Häuser in Handarbeit. Jetzt konnte die Abteilung in den Judo-Verband Baden-Württemberg e.V. als Mitglied aufgenommen werden. Die regionalen, nationalen und internationalen Erfolge einzelner Mitglieder waren so zahlreich, dass sie an dieser Stelle nicht alle aufgeführt werden können, dennoch seien die wichtigsten Erfolge von Norbert Rühl genannt: 1. Platz bei den Landes-Einzelmeisterschaften 1976, 1980, 1981, 1982 und 1983,2. Platz bei den deutschen Hochschul-Einzelmeisterschaften 1978. 1979 und 1981. Norbert Rühl war sogar 1978 Mitglied der Studenten-Nationalmannschaft und 1982 der deutschen Nationalmannschaft. Bei den Studenten-Welt-Einzelmeisterschaften 1980 in Breslau belegte er den 5. Platz. Der erfolgreichste Jugendliche der Judo-Abteilung war Ulrich Krotz, der mehrmals erste und zweite Plätze bei Kreis- und Landesmeisterschaften der C-, B- und A- Jugend belegen konnte; sein größter Erfolg war der 7. Platz bei den Süddeutschen-Einzelmeisterschaften der A-Jugend 1983. Nach 12-jähriger Mitgliedschaft im TSV Michelfeld löste sich die Judo-Abteilung 1983 vom Verein und machte sich als 1. Angelbachtaler-Judo-Club (1.AJC) selbständig.

Im Rahmen der Gemeindereform in Baden-Württemberg kam es im März 1972 zur Vereinigung der beiden Nachbargemeinden Eichtersheim und Michelfeld zur neuen Gemeinde Angelbachtal. Was lag näher, als auch die bei den Sportvereine des TSV Eichtersheim und des TSV Michelfeld zu einer größeren Gemeinschaft zu vereinigen, damit hätten sich auch die sportlichen Perspektiven verbessert. Der 1. Bürgermeister von Angelbachtal Johann Jenne, selbst langjähriges Mitglied des TSV Michelfeld, ergriff die Initiative und verhandelte mit den Vorstandschaften bei der Vereine mit dem Ziel einer Fusion. Beiden Vereinen wurde von der Gemeinde die Zusage gemacht, dass im Falle einer Vereinigung eine neues großzügig angelegtes Sportzentrum für alle ortsansässigen Vereine errichtet werden solle. Diese Lösung wäre für die Gemeinde auf weite Sicht auch finanziell günstiger gewesen. Schließlich wurden sich die Verhandlungsparteien über den Zusammenschluss in grundsätzlichen Fragen einig, die letzte Entscheidung lag jedoch bei den Mitgliederversammlungen. Als dann den Mitgliedern der Fusionsvorschlag zur Abstimmung vorgelegt wurde, entschied sich der TSV Michelfeld einstimmig für, der TSV Eichtersheim aber mit überwiegender Mehrheit gegen eine Fusion. Allerdings kam man überein, dass die Jugendmannschaften in Zukunft vereinsübergreifend zusammenarbeiten sollten.

15 Jahre nach dem Bau der Turnhalle erwies diese sich für die immer häufiger stattfindenden, auch größeren Festlichkeiten als viel zu klein. Die Judo-Abteilung, die bisher ihre Matte auf der Bühne ausgebreitet hatte und bei Aufführungen diese wegräumen musste, brauchte dringend einen eigenen Trainingsraum; ebenso waren die Turngeräte in der Halle störend. So beschloss die Generalversammlung auf Vorschlag der Vorstandschaft unter dem Vorsitz von Edwin Seeburger am 29.03.1975 die Erweiterung der Halle sowie den Neubau eines Clubhauses. Auch diesmal entwarf Architekt Martin Appel die Pläne für beide Objekte, ohne dafür ein Honorar zu verlangen. Die technische Leitung übernahm der 2. Vorstand, Maurermeister Fritz Wild, während sämtliche Arbeiten in Eigenleistungen zahlreicher Mitglieder erbracht wurden. Dieses große Bauvorhaben hätte nicht realisiert werden können, ohne die großzügige Unterstützung durch die Baufirma Fritz Schleweis, die die Baumaschinen und LKWs kostenlos zur Verfügung stellte, aber auch das kostenlose Auftanken der LKWs durch Gerhard Bader war eine große Hilfe. Bereits im Oktober des gleichen Jahres konnte die erweiterte Halle mit Gymnastikraum, Sanitäts- und Geräteabstellraum ihrer Bestimmung übergeben werden. Unmittelbar danach wurde vom gleichen Team der Clubhausneubau in Angriff genommen. Im Erdgeschoss wurden neben dem Heizungsraum, die Umkleide- und Duschräume für die Mannschaften und einem Zimmer für den Schiedsrichter, im Obergeschoss ein großer Gastraum, ein kleinerer Sitzungsraum, eine Küche mit Vorratsraum sowie Toiletten eingerichtet. Insgesamt wurden im Zusammenhang mit dem Clubhausneubau von 19 Mitgliedern 7.576 freiwillige Arbeitsstunden geleistet. Am 27. Mai 1978 fand die offizielle Einweihung dieses zweckmäßigen und der Umgebung angepassten Gebäudes statt. Nun hatte der TSV Michelfeld seine eigenen modernen und komfortabel ausgestatteten Clubräume, in denen er seine Sitzungen, Versammlungen und Feste abhalten konnte. Da aber die Verpachtung der Gasträume an einen Betreiber nicht in Betracht gezogen wurde, sondern das Clubhaus in vereinseigener Regie bewirtschaftet werden sollte, war es von nun an die Aufgabe der Vorstandschaft, Leute aus den Reihen der Mitglieder zu finden, die willens und fähig waren, den ständigen Clubhausdienst zu übernehmen; dies war und ist keine leichte, oft eine sehr schwierige Aufgabe.

Betrachtet man den Vereinskalender der letzten vier Jahrzehnte, so fällt auf, dass neben den vielen sportlichen Aktivitäten die Zahl der alljährlich stattfindenden Veranstaltungen stets gestiegen ist. In den 5Oiger und 60iger Jahren waren neben der satzungsmäßig verbindlichen Generalversammlung im Frühjahr, die trationelle Götzwanderung am Himmelfahrtstag, der Vereinsausflug sowie die Weihnachtsfeier die wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse des TSV. In den 70iger und 80iger Jahren erweiterte sich das Programm um den Familienabend im Januar, den Faschingstanzabend, in dessen Mittelpunkt mehrmals eine Prunksitzung auswärtiger Karnevalsgesellschaften stand, ferner den Tanz in den Mai, den Kirchweihtanz und in neuerer Zeit den Silvestertanz. Die eine oder andere dieser Tanzveranstaltungen ist zwischenzeitlich wegen zu geringem Zuspruch und zu hohen Auslagen wieder aufgegeben worden. Der Vereinsausflug, der jahrzehntelang hohe Teilnehmerzahlen verzeichnen konnte, ist in der motorisierten Gesellschaft nicht mehr gefragt. Um so mehr erfreut sich die Nikolausfeier für Kinder und Jugendliche größter Beliebtheit. Viele dieser Veranstaltungen sollen die Geselligkeit und den Gemeinschaftsgeist unter den Mitgliedern fördern, oft sind sie aber auch zwingend notwendig, um die Vereinskasse etwas aufzufrischen. So ist die Teilnahme des TSV an der Gestaltung und Organisation des jährlichen Pfingstmarktes der Gemeinde Angelbachtal zu verstehen, der ohne die Mitwirkung der örtlichen Vereine nicht so erfolgreich verlaufen würde. Auch das jährlich im Frühsommer von der AH - Abteilung organisierte Grümpelturnier, ein vom Schweizer Fußball übernommenes Turnier für Hobbymannschaften, an dem jede Gruppe aus der Gemeinde teilnehmen kann, ist stets ein sportlicher aber auch finanzieller Erfolg für den Verein. Außerdem führen die einzelnen Abteilungen zusätzlich ihre eigenen Feste, Fahrten und Wanderungen durch. An dieser Stelle soll allen eifrigen und treuen Helfern, die sich seit Jahren für die Interessen ihres Vereins unermüdlich einsetzen, mit Dank und Anerkennung gedacht werden. Ohne diesen selbstlosen Einsatz vieler Mitglieder bei der Planung, Durchführung und Nachbereitung solcher Feste könnte der TSV nicht florieren.

Das letzte große Bauprojekt des TSV wurde 1980 begonnen und 1984 vollendet. Wenn 6 - 8 Fußballmannschaften jahraus, jahrein ihr Training und ihre Verbandsspiele auf demselben Platz bestreiten. wird selbst aus einem ordentlichen Rasenplatz irgendwann ein für Spieler nicht mehr zumutbares Spielfeld. Bis 1979 wurden Neubaupläne aus finanziellen Gründen immer wieder zurückgestellt, 1980 aber begannen Vorstand und Bürgermeister mit den Vorbereitungen für den Bau einer erweiterten Sportplatzanlage. Zunächst mussten Privatgrundstücke. die an das Sportgelände angrenzten, von der Gemeinde aufgekauft und die Anträge auf Bezuschussung eingereicht werden. Als dann die Finanzierung gesichert war, wurde das Ingenieurbüro Willaredt & Sternemann, Sinsheim, mit der Planerstellung für einen Hartplatz und einen Rasenplatz beauftragt, im August 1982 konnte endlich mit dem Bau begonnen werden. Als erstes mussten von der Firma Amann, Jechtingen, ca. 40.000 m Erde abgetragen, neu verdichtet und planiert werden, dabei entstand eine 19 Meter hohe Böschung, die später unter erheblichem Arbeitsaufwand und zusätzlichen Kosten befestigt werden musste. Anschließend wurde von der Firma Becker, Taunusstein, der etwas höher gelegene Hartplatz in relativ kurzer Zeit fertiggestellt, so dass die beiden Fußballmannschaften schon 1983 ihre Verbandsspiele auf dem neuen Platz austragen konnten. Den gemeindeeigenen Rasenplatz, mit den internationalen Maßen 109 x 70 Meter, erstellte die Firma 548 aus Frechen. Da Rasenplätze immer längere Zeit ruhen müssen, war dieser Platz erst im Juli 1984 bespielbar. Beide Plätze sind mit einem Drainagesystem und einer Beregnungsanlage, der Hartplatz zusätzlich mit einer Flutlichtanlage ausgestattet. Die Gestaltung der Platzumgebungsflächen, das waren die Errichtung der Barriere, der Umzäunung und des Ballfangs, ebenso die Bepflasterung der Gehwege wurden vom Verein in Eigenarbeit rund 7.000 Stunden - durchgeführt, die Gemeinde übernahm die hierbei anfallenden Materialkosten. Die Gesamtkosten einschließlich der Zuschüsse und Eigenleistungen betrugen 1,2 Mio. DM.
Noch vor der Fertigstellung der neuen Sportplätze hatte der Verein im Frühjahr 1984 einen Teil des Gymnastikraums zu einer großen Küche mit Ausschank und auf der gegenüberliegenden Seite zu den zwingend erforderlichen Sanitärräumen umgebaut. Gleichzeitig fügte man auf der Westseite der Turnhalle einen Eingangsraum, eine Garderobe und einen Abstellraum an. Dieser Anbaumaßnahme musste das 34 Jahre alte Clubhaus weichen. Bis zur feierlichen Inbetriebnahme der Gesamtanlage hatte die Gemeinde die bis dahin sehr enge Auffahrt verbreitert und asphaltiert, damit wurde eine bequeme Zufahrt zu den etwa 150 Parkplätzen geschaffen. Bei der offiziellen Einweihung am 27.07.84 konnte der 1. Vorstand Kurt Schleweis mit großer Freude die Schlüssel zu einer der schönsten Sportanlagen im Kraichgau aus der Hand von Bürgermeister Brandt in Empfang nehmen. Das große Engagement von Bürgermeister Fritz Brandt, die vielen freiwilligen Arbeitsstunden der Mitglieder, die großzügigen Zuschüsse vom Badischen Sportbund und dem Rhein-Neckar-Kreis und die Unterstützung vieler Michelfelder Firmen hatten den Bau dieser herrlichen Anlage möglich gemacht.
Ein ganz besonderer Dank ging an die Mitglieder des TSV Michelfeld. Diese hatten dem Verein ein zinsloses Darlehen für 2 Jahre in Höhe von DM 30.000,- zur Verfügung gestellt. Nach Ablauf mussten lediglich DM 12.000,- gezahlt werden, DM 18.000,- wurden gespendet.

Wie bereits angedeutet, besitzt der Fußball beim TSV Michelfeld seit der Nachkriegszeit Priorität; die erste Fußballmannschaft bildet gleichsam das sportliche Rückgrat des Vereins. Ihre bisherige Vergangenheit ist gekennzeichnet von einem mehrmaligen Aufstieg in die A-Kreisklasse und ebenso häufigen Wiederabstieg in die B-Klasse. Lediglich in den Jahren 1954 - 1964 konnte für längere Zeit das A-Klassen-Niveau gehalten werden. Häufiger Trainerwechsel, Spielerabgänge, verletzungsbedingte Ausfälle aber auch die zu geringe Einsatzbereitschaft einiger Spieler waren die Gründe für diese Rückschläge. Seit 1983 spielt nun die Seniorenmannschaft ohne Unterbrechung in der Bezirksliga Sinsheim und konnte sich bisher meist auf den vorderen Plätzen der Tabelle behaupten. Der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte war der Gewinn des Kreispokals im Mai 1994. Wenn ein qualifizierter Trainer, talentierte und eifrige Spieler und verantwortungsbewusste Manager konstant, zielstrebig und konfliktfrei zusammenarbeiten, sind auch noch höhere Ziele wie die Meisterschaft in der Bezirksliga und der Aufstieg in die Landesliga durchaus erreichbar.

Ein großer Vorteil für den Verein ist die Existenz der AH - Abteilung. Die sogenannten alten Herren sind ehemalige Seniorenfußballer, die die Kameradschaft pflegen und sich fit halten, um im Notfall die Reservemannschaft zu vervollständigen. Aufs engste mit dem Verein verbunden. sind sie wertvolle Mitarbeiter bei der Organisation und der Gestaltung des Vereinslebens. Im Herbst 1994 hat die AH - Mannschaft sämtliche Gebäude des Sportzentrums mit einem neuen Außenanstrich versehen. Eine erfreuliche Entwicklung lässt sich bei der Jugend feststellen. Gegenwärtig vertreten 6
Mannschaften, zwei davon in einer Spielgemeinschaft mit dem TSV Eichtersheim, die Farben des Vereins. Eine erfolgreiche Jugendarbeit sichert den Fortbestand des Vereins; diese ist gegeben, wenn engagierte und fähige Übungsleiter die fußballbegeisterten Jugendlichen nicht nur zu versierten und trickreichen Ballspielern ausbilden, sondern sie auch zu fairen und kameradschaftlichen Sportlern erziehen; dazu gehört auch die freundschaftliche, ja väterliche Betreuung der jungen Spieler beim Training und ihren Wettspielen. Letztendlich wäre es sehr begrüßenswert, wenn eine ständig steigende Zahl von Zuschauern den eigenen Mannschaften bei ihren Verbandsspielen den nötigen Rückhalt geben und sie zu höheren Leistungen anspornen würden, dann blieben weitere Erfolge nicht aus.

Heute, nach nunmehr 100 Jahren seit der Gründung, ist der TSV 95 Michelfeld mit über 600 Mitgliedern die größte Vereinigung in Angelbachtal, ein vorbildlich organisierter Verein, der für jede Altersstufe und beide Geschlechter zahlreiche sportliche Betätigungsmöglichkeiten aber auch ein vielseitiges gesellschaftliches Programm bietet.

Der Verein verfügt über ein landschaftlich reizvoll gelegenes. modernes Sportzentrum. das durch die jahrzehntelange aufopferungsvolle Arbeit seiner Mitglieder und durch die großzügige Unterstützung der Gemeinde. des Staates und privater Spender geschaffen werden konnte. Auch in den nächsten Jahren wird der Verein noch große Anstrengungen machen müssen. um die beträchtlichen Kosten für den Betrieb und die Unterhaltung dieser Anlage aufbringen zu können.

So mögen am Ende dieses historischen Rückblicks gute Wünsche den Jubilar begleiten:

  • Möge der TSV Michelfeld auch in Zukunft stets fähige und ideenreiche Persönlichkeiten in seinen Vorstand wählen, die sich tatkräftig für die Interessen und das Wohl des Vereines engagieren.

  • Mögen sich immer wieder Mitglieder finden, die bereit sind, als ehrenamtliche Übungsleiter/innen und Betreuer linnen Verantwortung für die Jugend zu übernehmen.

  • Mögen auch in den kommenden Jahren viele Jugendliche und Erwachsene in ihrer Freizeit sich mit Freuden dem aktiven Sport widmen und die geschaffenen Einrichtungen nutzen. schätzen und bewahren.

Wenn dies gelingt. wird der TSV Michelfeld auch weiterhin eine tragende Säule im kulturellen Leben der Gemeinde Angelbachtal bleiben.

vivat - crescat - floreat

(der TSV lebe. wachse und gedeihe.)

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TSV Michelfeld

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